Wahlrecht für alle?

Manchmal kann man sich nur wundern, was der menschliche Geist alles ausbrüten kann. „In Chris wird wach“, meinem Buch über die Machbarkeit einer gerechteren Welt ohne Geld, lasse ich nur Menschen über Sachthemen abstimmen, die sich nachweislich vorher darüber informiert haben. Die Intension dabei war, Populismus und unreflektierte „Bauchentscheidungen“ bei Volksabstimmungen keine Chance zu geben. Aber anscheinend machen sich auch andere Menschen Gedanken über eine „Verbesserung“ des Wahlsystems, nachzulesen in diesem Artikel aus dem Handelsblatt.

Was die „Heuschrecke“ Tom Perkins dort zu besten gibt, klingt wie die exakte Antithese zu meiner Vision einer Gesellschaft ohne Geld. Denn er plädiert für ein Wahlrecht gestaffelt nach Einkommen. Dazu passt gut diese Meldung von Spiegel Online, dass ein Prozent der Weltbevölkerung 50% des gesamten Kapitals hält. Herr Perkins ist also für eine offene Diktatur des Kapitals. Als ob das wirklich noch nötig wäre, dieses offen zu fordern. Schon jetzt sind weite Teile der Weltbevölkerung entrechtet und aus Mangel an Geld von Ihren Gesellschaften und den dort stattfindenden Wahlen ausgeschlossen. Kinder werden nicht in den Standesämtern registriert, da den Familien das Geld fehlt, um die Eintragung vorzunehmen und stehen deswegen im Erwachsenenalter auch auf keiner Wahlliste.

In Schwarzafrika ist es zudem ein beliebter Brauch diejenigen, die es dennoch geschafft haben, sich in den Wählerverzeichnissen registrieren zu lassen, gegen ein Handgeld an die Wahlurne zu locken und dann den Kandidaten, der das Geld bezahlt hat, wählen zu lassen. In solchen „Demokratien“ ist es schon lange soweit, dass die Wählerstimmen nach der finanziellen Potenz der Kandidaten verteilt werden. Da ist es ein logischer Schritt, die lästige und wankelmütige Masse gleich ganz auszuschließen und endlich die Reichen offen alleine entscheiden zu lassen wie es mit der Politik weitergeht.

Das allgegenwärtige Gefühl der Politikverdrossenheit in unseren Breiten hat dieselben Ursachen. Da werden angebliche Rentengeschenke verteilt und bei genauerem Hinsehen ist die großartige Rente mit 63 für kaum jemanden überhaupt erreichbar. Populismus statt Politik, gemacht von Politikern, die schon lange jede wirkliche Macht an das Kapital abgetreten haben. So bleiben echte Reformen im Sumpf der Lobbyisten hängen, Politiker wechseln ungeniert auf lukrative Posten in der Wirtschaft und die Masse der steuerzahlenden Menschen bekommt keine vernünftige Gesundheitsversorgung mehr.

Also warum nicht gleich das Wahlrecht nach Geldvermögen? Faktisch haben wir es ja schon lange eingeführt.

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