Ius primae noctis

Ich freue mich immer, wenn es einmal wirklich scharfsinnige Beiträge in der Presse gibt. Nein, ich meine nicht, dass Katy Perry das englische Big Brother gewonnen hat, sondern diesen Beitrag in der Süddeutschen Zeitung. Yuval Harari, der gefeierte Autor des Buchs „eine kurze Geschichte der Menschheit“ macht sich Gedanken über die Zukunft der Menschheit. Mir als Autor eines Buchs das sich ebenfalls mit den Möglichkeiten einer Gesellschaftlichen Entwickelung befasst fällt vor allem auf, das gewisse Prognosen und Feststellungen sich zurzeit bei nahezu allen Denkern und Autoren wiederfinden.
Drei Thesen sind dabei besonders interessant, weil sie von vielen prognostiziert werden.
– Erstens, der Nationalstaat wie wir ihn kennen verliert weiter an Bedeutung. Sinkende Wahlbeteiligung, immer weniger Möglichkeiten der Politik wirklich etwas zu entscheiden und wirtschaftliche Interessen als einziges Kriterium für Entscheidungen lassen den Schluss zu, das in der Zukunft Konzerne endgültig die Regierung übernehmen. In jedem zweiten Science Fiction Film neueren Datums ist das so und wenn wir nicht grundlegen gegensteuern wird sich das auch nicht mehr aufhalten lassen. Wenn der Konzerngewinn von Firmen wie Google oder Apple die finanziellen Spielräume der Nationalstaaten weiterhin weit übersteigen ist das auch eine logische Schlussfolgerung.
– Zweitens, das Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich wächst und wird irgendwann signifikante Auswirkungen auf die Lebenserwartung und die Leistungsfähigkeit der Individuen haben. Auch logisch und bereits jetzt statistisch nachvollziehbar. Wie ebenfalls die Süddeutsche Zeitung bereits 2011 schrieb, ist die Lebenserwartung von Harz 4 Empfängern im Sinken begriffen, 2011 waren es bereits 2 Jahre weniger als 2001. Gleichzeitig ist die Lebenserwartung von Gutverdienern weiter gestiegen. Jede neue „Gesundheitsreform“ wird diesen Trend noch verstärken und wenn die direkte Vernetzung des Einzelnen mit Implantaten erst einmal Marktreif ist, werden wir im Körper eingesetzte „super Iphones“ haben, die bei Herzinfarkt selbstständig den Notruf wählen, während alle anderen dann sterben.
– Drittens, der bisherige Platz der Religionen und des Menschen an sich wird sich verschieben. Menschen werden nicht mehr zur Herstellung der lebenswichtigen Güter gebraucht und Religionen stehen mehr und mehr im Wiederspruch zur Wissenschaft. Alles „es ist halt so“ gilt nicht mehr länger. Menschen werden zu Konsumenten „Verbrauchern“ was ich schon immer als abwertend und diffamierend kritisiert habe und Religionen die mit kindischen, mittelalterlichen Definitionen die Welt versuchen zu erklären werden es auf Dauer schwer haben. Denn sie sorgen dafür, dass der Trend von Punkt 2 sich weiter verstärkt. Überbevölkerung, Armut durch ungebremstes Bevölkerungswachstum und religiös motivierte Ablehnung von medizinischem und gesellschaftlichem Fortschritt werden sie auf Dauer diskreditieren.
Was steht und also bevor? Eine geteilte Menschheit von reichen, gesunden, technikgläubigen Konzernarbeitern, die einer armen, den alten Religionen anhängenden, kranken und früh sterbenden Konsumenten gegenüberstehen? Yuval Harari sagt dazu: „Es ist zum ersten Mal fast unmöglich zu sagen, wie die Welt in 30 Jahren aussehen wird. Wenn im Laufe der Geschichte ein Zehnjähriger gefragt hat, in welcher Welt er mit 40 leben wird, konnten ihm seine Eltern ihm eine ziemlich gute Prognose geben. Natürlich könnte immer ein neuer König kommen, ein Krieg ausbrechen – aber die sozialen Umstände, die Familienstruktur, die Wirtschaft, war über solche Zeiträume immer recht stabil. Jetzt blicken wir 30 Jahre nach vorne und niemand weiß irgendwas. Das Einzige, was wir dem Zehnjährigen sagen können, ist: Die Welt wird komplett anders sein.“
Er hat damit absolut Recht. Doch es liegt auch in unserer Hand. Wenn wir uns Zurücklehen und nur zusehen wie sich die Gesellschaften in diese Richtung entwickeln, dann werden wir mit dem Ergebnis leben müssen. Wenn wir das nicht wollen brauchen wir die Phantasie etwas anderes zu machen und diese brauchen wir schnell. Sonst überholt die technische Entwickelung die Gesellschaftliche so weit, das ein dunkles Zeitalter bevorsteht. Ein digitales Mittelalter in dem die Fürsten die Serverburgen regieren und die Leibeigenen ihnen das Recht der ersten Nacht gewähren müssen.

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