Danke Gema

Manchmal haben Repressalien den gegenteiligen Effekt. Menschen gewöhnen sich rasch an widrige Umstände und entwickeln automatisch Strategien diese zu umgehen. Gema und YouTube sind so eine Repressalie. Wir haben uns daran gewöhnt, dass die üblichen Links bei Facebook und sonstigen Quellen nicht funktionieren. Kein „Gangam Style“, kein Justin Bieber, klickt man die Liste der 10 erfolgreichsten YouTube Videos durch stellt man fest das Deutschland im „Tal der Ahnungslosen“ liegt. Natürlich gibt es Gegenmaßnahmen, jeder Zehnjährige mit Computerkenntnissen weiß heutzutage was ein Proxy ist, aber diese sind entweder teuer, oder unkomfortabel. Allerdings habe ich auch kaum das Bedürfnis diese Videos mir anzusehen. Ich habe mich daran gewöhnt, das alles was in den „geregelten“ Kanälen der Unterhaltungsindustrie schwimmt nicht abrufbar ist. Daher versuche ich erst gar nicht mehr solche Links anzuklicken. Zensur ist etwas Schändliches und Deutschland ist so „frei“, das wir zu den Ländern mit der stärksten Zensur Weltweit gehören. Es ist sogar schwierig solche Statistiken zu finden, wer da etwas arges denkt..
Allerdings bin ich in Bezug auf Musik mittlerweile sogar froh darüber. Denn das wenn auch ungewollte Ausblenden der Charts hat zur Folge, dass ich mir andere Wege gesucht habe. Vimeo, Bandcamp und die viele Bands die auf die Gema verzichten und damit bei YouTube empfang bar sind. Erstaunlicherweise ist die Qualität von diesen kleinen oder ehr unbekannten Bands hervorragend. Ich hätte nie gedacht, dass jenseits des Mainstreams sich so hervorragende Bands entwickeln konnten. Ich hatte dabei immer das Amazon Problem im Hinterkopf. Es ist sehr schön, das dort freie Autoren selbst publizieren können, aber es ist sehr unschön, das sich die Blumen zwischen Bergen von Gestrüpp verbergen. Dieses Problem haben wir selbst, wie werden unsere Werke zwischen all den langweiligen Reiseberichten, Vorurteil behaftete Weltsichten und pseudo spannenden Krimis gefunden? Wäre dem nicht so, dann wären unsere verkaufszahlen um eine Null am Ende höher.
Bei Musik ist das interessanterweise einfacher. Ein simpler Klick genügt und schon kann man zwei Minuten später beurteilen, ob einem das gehörte zusagt. Ich musste nur erst einmal lernen welche Musik mir eigentlich zusagt. Rock ‘n Roll war da leider nicht hilfreich, denn so viele zwei Minuten habe ich in diesem Leben nicht. Ich kam also irgendwann mal darauf, dass ich Doom- Metall und Stoner Rock bevorzuge. Der Rest war einfach, hier eine Facebook Gruppe abonnieren, da eine online Magazin, die Suchfunktionen der Portale und schon hatte ich eine Playlist mit ausschließlich Gema freien Bands die umso vieles besser war, als alles was man in der üblichen Vermarktungskette der Major Labels kaufen kann. Da waren diese Brüder aus Virginia / USA die unglaubliche Gitarrenriffs spielten (Valkyrie) , leicht schwermütige Spanier (Horn oft the Rhino), zwei Jungen aus Sibirien, die einen absolut einmaligen Sound haben (Groggy), oder zwei Österreicher mit unglaublicher Energie (White Miles). Hätte ich diese Bands gefunden wenn die Gema nicht YouTube in Deutschland nahezu unbenutzbar gemacht hätte? Wahrscheinlich nicht, also Danke Gema.
Ich würde mir nur wünschen, dass etwas Ähnliches auch für Literatur funktionieren würde. Leider ist bei Büchern kein „Probehören“ möglich. Gelesen ist gelesen. Daher ist es an der Zeit auch bei unserem Produkt neue Wege zu beschreiten. Ich bin mir nahezu sicher, dass ein Abo Modell wie es bei Musik und neuerdings auch bei Spielen immer beliebter wird die Zukunft sein wird. Jedoch wird so etwas nur dann Erfolgreich, wenn eine Vorauswahl getroffen wird. Ein solches Portal braucht ein Lektorat, das Empfehlungen abgibt und ganz schlimmen Quark von vornherein aussortiert. Liebe Literaturschaffende wäre das keine Idee? Wir wären sofort dabei!

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