Die Eigennutz Union

Ich plädiere für eine neue EU Flagge! Münzen statt Sterne, und darunter in fetter Schrift geschrieben: EGO-Union. Erinnern wir uns an die Anfänge der EU, damals, als Montanunion ins Leben gerufen wurde. Schwerindustrie, die zusammenarbeitet, um zu verhindern, dass Stahlproduzenten den Rüstungsmarkt dominieren. In einer Zeit, in der ein Panzer die Krönung der Militärtechnik war; ein löbliches Vorhaben, um den Frieden zu garantieren. Nie wieder Krieg zwischen den Erzfeinden, als Ziel einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Das hat funktioniert. Auch wenn die Anfänge nicht einfach waren und ich in den Achtzigern oft älteren Franzosen begegnet bin, die mich nur wegen meiner Herkunft ablehnten, so ist das Misstrauen zwischen den Nachbarn dadurch endlich überwunden worden, und die endlose Reihe der deutsch-französischen Kriege mit dem zweiten Weltkrieg beendet worden. Dann war der kalte Krieg gewonnen und die westlichen Staaten nahmen sich das Recht des Siegers heraus, und verleibten sich einen großen Teil des ehemaligen Warschauer Pakts ein. Warum? Um den Friedensprozess voran zu bringen? Nein, da wurde nur nach neuen Absatzmärkten geschielt und billige Arbeitskräfte gesucht. Die wirtschaftlich starken Staaten der EU begannen zu boomen, auch deshalb haben wir heute nahezu Vollbeschäftigung in Deutschland, während ein großer Teil der Weltwirtschaft von einer Krise zur anderen vor sich hin dümpelt. Vergegenwärtigen wir uns, was die Voraussetzungen für eine starke Wirtschaft sind: Arbeit, Boden und Kapital. Womit konnten die wirtschaftlich schwachen Staaten im Osten und am Mittelmeer aufwarten? Die Böden konnten jetzt von westlichen Investoren gekauft werden, Kapital gab es dort keines und billige Arbeit gab es dort nur so lange, bis das Preisniveau den westlichen Standard erreicht hatte, was nicht wirklich lange gedauert hat. Die politisch Handelnden haben dem zugesehen. In diesen Ländern haben sich die Eilten bereichert, und die „alten“ EU Staaten haben davon profitiert. Die Bevölkerungen wurden abgehängt, aber das hat niemanden wirklich interessiert, denn alle, die an den Hebeln der Macht saßen, haben ja kräftig profitiert. Diese „Eigennutz Union“ hat jedoch eine grundlegende Schwäche, die sich beim geringsten Anlass überdeutlich zeigt. Kaum wird der Zusammenhalt durch eine äußere „Bedrohung“ einmal auf die Probe gestellt, ist sofort überdeutlich zu sehen was er wirklich wert ist. Gar nichts!
Hand aufs Herz lieber Leser, das Flüchtlings- Drama ist schlimm, aber ist das eine Bedrohung? Eine Bedrohung ist die griechische Staatsverschuldung, oder das paktieren der türkischen Regierung mit dem IS, aber arme Menschen, die vor Terror und Gewalt flüchten? Dennoch wird in der EU so getan, als ob der Untergang des Christlichen Abendlands bevorstehen würde. Ehemals kommunistische Gesellschaften, die kaum etwas mit Religion zu tun hatten, weigern sich, „Muslime“ aufzunehmen. Wirtschaftlich starke Staaten behaupten, dass sie pleitegehen werden, wenn sie ein paar Flüchtlinge aufnehmen. Bleiben wir doch mal auf dem Teppich und sehen uns einmal die nackten Zahlen an. In der EU lebten 2015 etwas über 500 Millionen Menschen, ganz Syrien hatte vor dem Bürgerkrieg 22 Millionen Einwohner. Wenn wirklich alle kämen, was natürlich Unsinn ist, dann wären das grade einmal 4,4% der Gesamtbevölkerung der EU. 4 die von 100 die kurzfristig versorgt und mittelfristig integriert werden müssten, wenn der Bürgerkrieg endlos weitergehen würde. Aber wenn niemand mehr da ist, würde dort auch keiner mehr kämpfen und die Menschen würden zurück in ihre Heimat gehen. Vielleicht 10% würden hier bleiben, weil sie sich hier etwas aufgebaut hätten. Frankreich hat mehr Algerier und Tunesier, und Deutschland mehr Türken integriert als diese „Mengen“ an langfristig zu integrierenden Flüchtlingen, und das geschah freiwillig, weil die Arbeitskräfte gebraucht wurden und werden.
Wenn also die „Flüchtlingskrise“ bereits etwas ist, an dem die Union zu zerbrechen droht, dann hat sie definitiv keine Zukunft. Denn sie ist nichts, was auch nur im Entferntesten einer Krise gleicht. Hungrige Menschen vor den Außengrenzen, unbewaffnet ohne die Absicht die bestehende Ordnung zu stürzen, sondern mit der Hoffnung an ihr teilhaben zu dürfen, sind keine Bedrohung. Was macht die EU im Falle einer echten Bedrohung? Ein Vulkanausbruch, der die Ernährungslage verschlechtert? Das Zusammenbrechen von Wirtschaftsstrukturen, die seit der Bankenkrise wie Untote weiter existieren und jederzeit zum Zusammenbruch führen können? Wir wenden uns von Nächstenliebe und Mitgefühl ab, nur weil die Flüchtlinge vielleicht anders zu Gott beten, als wir es gewohnt sind. Kommt irgendwann eine echte Krise, werden wir uns folgerichtig von unseren Nachbarn abwenden nur weil sie eine andere Sprache sprechen, oder „eben nicht von hier“ sind.
Aussichten, die mich sprachlos machen. Denn das ist dieselbe Dummheit, die uns in zwei Weltkriege gestürzt hat, angeführt von Politikern, die von sich selber behaupten, religiös zu sein und sogar den Namen ihres „Erlösers“ im Parteinamen führen. Da möchte ich mich angewidert wegdrehen und den Holzköpfen zurufen: „Sorgt endlich für mehr Gerechtigkeit bei der Wohlstandsverteilung! Ohne diese werden die Rattenfänger immer mehr Zulauf bekommen. Die Orbans, Le Pens, AFDs, CSUs in der EU werden nur noch stärker werden! Denn wenn die Bevölkerung der EU das Gefühl hat, das ihr Lebensstandard nur eine Richtung kennt, bergab, dann werden sie alles tun, um diesen Trend zu stoppen. Dann werden einfache Antworten gesucht, in den Dreißigern waren die Juden schuld und Hitler das Heilmittel! Heute sind die Flüchtlinge schuld und die Rattenfänger positionieren sich. Wenn also irgendwo in der Eigennutz Union noch Menschen sind, die sich wirklich für die Menschen einsetzten, die sie gewählt haben, dann fangt endlich an etwas zu tun. Sonst kann es jeden Moment zu spät sein!

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.