Grenzen

Ein Blog sollte regelmäßig gepflegt werden, sonst laufen einem die Leser davon. Nahrung sollte gesund und fair angebaut sein, Kleidung möglichst nicht von Kindern in Bangladesch genäht werden und als Mann von heute sollte man seine Zeit der Familie widmen.

Wie sie gemerkt haben lieber Leser, gibt es Grenzen. Ich bin nicht jeder Woche eloquent und es passiert auch nicht jede Woche etwas worüber es sich lohnt zu schreiben. Das sich die Sächsische Polizei blamiert ist nicht wirklich überraschend, das Menschen in Syrien sterben leider schon lange Realität und wenn eines von Kim Jongs Penissymbolen am Boden explodiert, dann ist das bestenfalls für die verantwortlichen Ingenieure ein Problem.

Apropos Problem. Geldausgeben kann heutzutage ein Problem sein.  Das fängt im Supermarkt an. Ist Bio wirklich gesünder, oder einfach nur Etikettenschwindel damit wir für das gleiche Produkt mehr bezahlen. Ich bin da skeptisch, denn alles was mir einmal über Lebensmittel beigebracht wurde ist heute Makulatur. Spinat ist doch nicht besonders gut für die Blutbildung, weil der Eisenanteil falsch berechnet wurde. Das Eier schlechtes Cholesterin produzieren, ist genauso wiederlegt, wie künstliche Vitamine als Nahrungsergänzungsmittel. Dafür wissen wir heute, dass Grapefruitsaft mit einer Reihe von Medikamenten zu unerwünschten Wechselwirkungen führen kann und Johanniskrauttee nicht nur beruhigt sondern ebenfalls eine ganze Stoffgruppe von Medikamenten lahmlegt. Pfefferminztee kann zu verminderter Fruchtbarkeit führen und Döner ist nicht ungesünder als Schnitzel mit Pommes und Beilagen Salat. Zum Glück kann ich diesen Unfug vermeiden, denn ich habe immer daran geglaubt, dass es die Dosis macht. Einseitige Ernährung ist immer falsch, aber das gilt eigentlich in allen Lebenslagen. Je weniger Phantasie ich entwickele umso mehr Alternativen schließe ich aus. Damit verringre ich meine Chancen ein Problem zu lösen, oder eine bessere Entscheidung zu treffen. Eingleisigkeit, Routinen und zu faul zu sein über Alternativen Nachzudenken sind immer Ungesund, sei es beim Essen oder in allen anderen Lebenslagen.

Doch manchmal stoße ich beim Einkaufen an meine Grenzen. Ich hasse es Kleidung kaufen zu müssen, denn das ist ausgesprochen schwierig. Die Innenstadt ist zweigeteilt. Billigläden in denen ein Langarmshirt 12 € kostet, oder Luxusmarken bei denen dasselbe Kleidungsstück 129.-€ kostet. Da ich keinerlei Prestige Anspruch an meine Kleidung habe, wäre das 12€ Shirt eigentlich kein Problem, bekäme ich beim Anfassen des Selben keine Gänsehaut und keine Kopfschmerzen vom Geruch. Außerdem kann man wirklich ein Shirt für 12€ anbieten ohne dabei auf Kinderarbeit zurückzugreifen oder unter lebensgefährlichen Bedingungen Produzieren zu lassen? Andererseits garantiert ein Preis von 129€ das es unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt wurde? Da ist dann bei mir auch noch dieser fahle Geschmack im Mund, so viel Geld für ein Stück Oberbekleidung auszugeben. Gibt es nicht eintausend sinnvollere Möglichkeiten Geld auszugeben? Jemand der wie ich viel auf Reisen war und Armut vor Ort erlebt hat, kann eigentlich nicht mit gutem Gewissen einen Monatslohn eines Facharbeiters in einem der armen Länder für ein Shirt ausgeben.

Aber dieser Konflikt ist mittlerweile nahezu unlösbar. Denn außer billiger „Wegwerf“ Mode und überteuertem sogenannten „Marken“ Klamotten ist in den Innenstädten nichts mehr zu finden. Da tut sich eine klare Parallele  zum Lebensmittelmarkt auf. Entweder überteuerte pseudo Bio Produkte oder billig Ramsch. Die Gesellschaft spaltet sich in Billigkonsumenten und „egal was es auch kostet“ Luxuskonsumenten. Ich will die Mitte! Gute Qualität zu mittleren Preisen, ohne Schickschnack und Marken Logo. Aber damit gehöre ich anscheinend einer Minderheit an.

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