Die moralische Mehrheit und die Populisten

In den Achtzigern war die „moral majority“ das Feindbild der Punk Bewegung. Bigotte Christen deren Wertesystem als engstirnig und kleinkariert abgetan wurde und dem das Prinzip der Totalverweigerung gegenübergestellt wurde. „Wir sind billig abscheulich aber verdammt nochmal stolz darauf“, war das Motto was der Punks. Was wurde daraus? Zumindest in unseren Breitengraden führte diese Bewegung letztendlich für die Kirchen zum Verlust der Oberhoheit über die Moralität. Heute sind Kirchgänger eine Randgruppe, die Mehrheit der Bevölkerung lebt ohne großen Kontakt zu den Religionen. Aber bedeutet das, dass die moralische Mehrheit dadurch verschwunden ist?

Nein, heute wird sie nur anders definiert. Gutmenschen haben einen minierten CO2  „Fußabdruck“, ernähren sich bewusst und bewachen als „Helikoptereltern“ ihren Nachwuchs. Den sie mit Hybrid Autos in den Waldkindergarten fahren, auf dem Heimweg halten sie beim Bio Bauern, um dann bei ihrem Heilpraktiker etwas Lichttherapie zur Entspannung zu  buchen.

Diese neue moralische Mehrheit starrte entsetzt auf das amerikanische Wahlergebnis und reibt sich die Augen. Wie kann dort etwas passieren was nicht sein darf? Ein Kandidat gewinnt, der sich offen rassistisch und klimafeindlich gibt, der poltert und polarisiert und alles verkörpert was sie ablehnen. Diese selbsternannten Gutmenschen sind dabei der eigentliche Grund für diese Misere, was ihnen in ihrer gutsituierten Arroganz nicht einmal auffällt. Gendersprech,  moralische Zeigefinger, Umweltschutz Vorschriften, diese ganze aufgeblasene Blasiertheit von Menschen die es sich leisten können, sind die „moral majority“ unserer Tage. Heute kommt man nicht mehr in die Hölle wenn man sonntags nicht in die Kirche geht, man zerstört die Welt unser Kinder wenn man nicht Luxus -Konsumiert. Der Wiederspruch dabei wird lässig ausgeblendet. Der heutige Gutmensch kann es sich leisten pseudo „gute“ Produkte zu konsumieren, egal was es kostet. Dabei ist die wichtigste Funktion derartiger Placebos, sich überlegen zu fühlen, wenn man mit seinem sündhaft teuren Plug in Hybrid neben einem 20 Jahre alten Diesel Kleinwagen steht.

Dabei wird nur allzu gerne ausgeblendet, dass der größte Teil der Bevölkerung wirtschaftlich überhaupt nicht dazu in der Lage ist derartigen Schnickschnack mitzumachen. Doch die Politik, bestehend aus Mitgliedern eben dieser moralischen Mehrheit, blendet das völlig aus. Stattdessen entstehen dort ständig neue Gesetzte, die für die wirtschaftlich Schwachen, das Leben noch schwieriger gestaltet.  Aber immer schön mit erhobenen Zeigefinger. Auch DU musst deinen Beitrag leisten um die Welt für unsere Kinder…. Etc. etc. Aber die ständig steigende EEG Umlage, Umweltzonen, immer neue Bauvorschriften treffen besonders die, die sich derartige Vorschriften nicht leisten können.

Gleichzeitig wird es immer schwieriger schwachsinnige Gesetzte zu ignorieren, der Digitalisierung des Lebens sei Dank. Wenn dann noch Diskussionen losgetreten werden ob es moralisch richtig ist Zigeunerschnitzel auf der Speisekarte zu haben ist dann der Trump, sorry der Punkt, erreicht an dem es diesen Menschen reicht. Niemand will sein ganzes Leben lang in die moralische Ecke gestellt werden nur weil er es sich nicht leisten kann ein „Gutmensch“ zu sein.

Es ist also kein Wunder, das das einkommensmäßige letzte Drittel der Bevölkerung sich lieber an polternde Knallköpfe wendet, als an die derzeitig herrschende Klasse. Ein weiter so, mit dem immer gleichen Personal funktioniert dann irgendwann nicht mehr. Das hat Frau Clinton schmerzlich erfahren müssen und ich befürchte, dass auch Frau Merkel dieselbe Erfahrung bevorsteht. Als Gallionsfiguren der moralischen Mehrheit sind solche Politiker für die, deren Altersversorge und Ärztliche- Betreuung immer weiter zerbröselt unwählbar und das zu Recht.

Aber sind Populisten wirklich eine Alternative? Kann eine bekennende Heuschrecke das Leben in Amerika gerechter gestalten und den „kleinen“ Leuten zu mehr Wohlstand verhelfen? Ein Blick in die Länder in denen solche Machthaber bereits regieren ernüchtert sofort. Staaten in den Populisten regieren gibt es zuhauf und nirgendwo geht es den Armen dadurch besser. Aber eines ist allen Populisten gemeinsam. Sie geben den Armen ihrer Länder das Gefühl dennoch Teil der Gesellschaft zu sein. Sei es „die Basis eines großen Landes“,  „Volkes“,  „heiligen Staates“ egal was, Hauptsache besser als jemand anderes. Wir als Deutsche sollten das selbst am besten kennen, das „Tausendjährige Reich“ basierte vor allem auf der Vorstellung, dass die dort lebenden „Arier“ das bessere Volk sei. Genau das passiert heute wieder, unter tätiger Mithilfe der „Gutmenschen“.

Sich für etwas Besseres zu halten impliziert immer, dass jemand anderes schlechter ist. In Amerika sind das derzeit die spanisch sprechende Einwanderer und der Islam, bei Hitler waren es die Juden und die „Slawischen Untermenschen“, bei unseren derzeitigen Hasspredigern sind das die „Fremden“, „Ausländer„ und „Flüchtlinge“. Geschichte wiederholt sich.

Jedoch glaube ich nicht, dass es diesmal in einem großen Krieg münden wird. Die Interessen des Kapitals in einer globalisierten Welt dürften das nicht zulassen. Kriege werden nur noch in Ländern geführt, wo kaum wirtschaftlicher Schaden für die Großkonzerne entsteht. Aber eine andere Gefahr zieht dagegen auf. Was passiert eigentlich wenn nach 8 Jahren Trump sich nichts geändert hat? Schafft er es den Armen das Gefühl zu geben wieder Teil einer „besseren“ Gesellschaft zu sein wahrscheinlich nichts, aber wehe er scheitert daran. Wohin wenden sich die Ausgegrenzten dann?

Das könnte das Ende des Kapitalismus sein, ironischerweise eigeleitet von einer seiner Lichtgestalten.  In meinem Buch „Chris wird wach“ habe ich eine derartige Revolution prophezeit, mündent in einer besseren Alternative. Die technischen Aspekte haben in der Realität bereits das Buch überholt. Der allgegenwärtige „Kommunikator“ im Buch hatte Funktionen, die heute jedes Smartphone beherrscht, selbst die letzte Funktion als mobiles „Herz“ von stationären Computern ist durch Microsofts Kontinuum mittleiweile Realität geworden. Gesellschaften entwickeln sich jedoch langsamer als Technik. Ich bin daher sehr gespannt darauf ob ich die dort prophezeite Revolution erleben werde. Mein Tipp ist, die Chancen stehen höchsten bei 20%  das das nicht passiert.

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