Greta hat Panik

Ich habe ein Problem mit „Friday for future“. Nicht das ich zur Hubraum- und Zigarren Fraktion gehören würde, im Gegenteil. Ich hielt AKWs immer für Irrsinn, habe gegen das Waldsterben demonstriert und wollte saubere Flüsse. Aber der moralische Zeigefinger der einem derzeit überall entgegengestreckt wird ist mir zuwider.
Es ist nun einmal eine Tatsache, dass unsere Existenz kein Nullsummenspiel ist. Wir müssen uns nähren, kleiden, wohnen und auch irgendwie für unsere Existenz aufkommen. Welche Ressourcen wir dabei benötigen hängt von verschiedenen Faktoren ab. Natürlich ist der Co2 „Fußabdruck“ in kalten Ländern höher als in Warmen. Natürlich verbrauchen mehr Menschen mehr Ressourcen und ja, wir übertreiben an vielen Stellen. Aber grundsätzlich ist daran in unserem Gesellschaftssystem nicht sehr viel zu ändern.
Nehmen wir einmal das Beispiel Wohnen. Deutschland erreicht seine Klimaziele nicht, unter anderem weil die Regierung hohe Planzahlen im Bereich Wohnen hatte. Die Idee, wir isolieren mal kurz alle Gebäude und brauchen danach viel weniger Energie, ist völlig gescheitert. Dennoch hat dieser Ansatz nicht wenig Anteil an der derzeitigen Wohnungskriese. Es wird zu wenig gebaut und zu viel günstiger Wohnraum durch energetische Sanierung vernichtet. Ein klares Beispiel dafür, wie staatliche Eingriffe in den Markt zu Fehlentwickelungen führen. Bei immer höheren Energiekosten ist für jeden Hausbesitzer irgendwann der Punkt erreicht, an dem es wirtschaftlicher ist energetisch zu sanieren, als die hohen Energiekosten zu bezahlen. Daher wäre langfristig gesehen, energetische Sanierung sowieso etwas, das sich durchsetzt. Eine künstliche Beschleunigung dieses Prozesses sorgt nur für Fehlentwickelungen. Wirtschaftlich starke Konzerne haben damit ein Mittel entdeckt die Umsatzrendite zu beflügeln, die Zeche zahlt der wirtschaftlich schwache Mieter des günstigen Altbaus.
Im Bereich Verkehr sieht es nicht besser aus. Hippe Hybrid- und Elektroautos werden ausschließlich von denen gefahren, die es sich leisten können. Allerdings ist der Neuwagenkäufer in Deutschland statistisch gesehen über 50 Jahre alt. Grade wirtschaftlich Schwächere sind auf günstige Gebrauchtwagen angewiesen und damit außerstande „die Welt zu retten“ durch den Kauf eines Gewissen- Beruhigungs- Statussymbols. Auch hier zahlt der weniger verdienende Mitbürger die Zeche. Sein Diesel darf nicht mehr in die Stadt und ein schlechtes Gewissen bekommt er gleich frei Haus mitgeliefert.
Es bedarf kaum noch den Hinweis auf Lebensmittel. Denn auch hier haben nur Wohlhabende die Möglichkeit „regional“ „Bio“ und „gesund“ einzukaufen. Wer den Cent dreimal umdrehen muss, der greift lieber zur Plastikverpackten Billigwurst.
Deshalb kann ich mit dieser „Bewegung“ nichts anfangen. Natürlich ist es an der Zeit etwas zu ändern, aber wo sind die Konzepte? Klimaschutz auf dem Rücken derer, die sowieso wenig haben ist meines Erachtens Menschenverachtend. Das Umdenken müsste auf einer anderen Ebene stattfinden, weg von der Wegwerfgesellschaft und hin zu qualitativ hochwertigen, langlebigen Produkten. Doch davon ist nichts zu sehen. Denn das könnte ja der Wirtschaft schaden, wenn das T Shirt nicht nach 3 x tragen unmodern wird und im Altkleidercontainer nach Afrika geschafft wird.
Überhaupt mag es in unseren Breiten niemand, wenn etwas länger genutzt wird. Händler für Gebrauchtwaren sind seit der Jahrtausendwende Mehrwertsteuerpflichtig, obwohl für das Produkt beim Neukauf ja bereits Mehrwertsteuer gezahlt wurde. Eventuelle kann er die Differenzbesteuerung anwenden, was aber ein Bürokratischer Alptraum ist. Privatleute werden teilweise schon nach 10 Verkäufen als Unternehmer betrachtet und besteuert und alle Handelnden geben sich seit Jahrzehnte größte Mühe, Verkaufen rechtlich so zu verkomplizieren, das nur noch Firmen die sich einen eigenen Anwalt leisten können rechtsicher tätig werden können.
Ich würde es daher begrüßen, wenn diese Diskussion endlich einmal sachlich geführt werden würde. Ein pro Kopf CO2 Ausstoß interessiert mich nicht, wenn nicht gleichzeitig die klimatischen Bedingungen, die Bevölkerungsdichte, die Beschäftigungsquote und der Gesundheitszustand der Menschen mit eingerechnet wird. Weniger geht immer, aber zu welchem Preis? Bei aller Panik dürfen die Lebensbedingungen der Menschen nicht außer Acht gelassen werden, sonst marschieren überall die „Gelbwesten“.

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