Schule in Zeiten von Corona

Ich gebe es zu, ich bin kein Fan des deutschen Schulsystems. Spätestens seit bei meiner älteren Tochter fast ein Jahr lang nicht aufgefallen ist, dass sie Legasthenie hat und überhaupt nicht lesen kann. Natürlich entwickeln intelligente Kinder in solchen Fällen eine Strategie, damit ihre Defizite nicht auffallen, aber wozu studieren Lehrer dann Pädagogik, wenn sie es dennoch nicht bemerken?
Aber richtig gruselig ist Schule seit Corona. Da gibt es schöne Bilder im Fernsehen, engagierte Lehrer die online mit Ihren Kindern kommunizieren und wir bekommen vorgegaukelt, das alles seinen Gang geht. Leider sind solche Fälle die absolute Ausnahme und haben mit der Realität nichts, aber auch gar nichts zu tun.
Schule in Zeiten von Corona bedeutet, eine E-Mail die Woche mit Aufgaben.
Warum ich nicht weiter schreibe? Weil es nicht mehr zu sagen gibt. Denn fast alle „Leerkörper“ mit denen ich zu tun habe sind bereits damit völlig überfordert. Da kommen Aufgabenlisten im Open Office Format, eine nette Idee, es sei den man versucht die auf einem Apple Gerät zu lesen. Für die existiert dieser Standard leider nicht, sofern IOS auf dem Gerät läuft. Andere kommen als nahezu unformatierte Liste, die spätestens beim Ausdrucken nur noch mit viel Fantasie lesbar ist. Wieder andere erfinden eigene Abkürzungen und Platzhalter, leider ohne eine Legende beizufügen.
Während die Kids sich lange auf den üblichen Chatportalen in Gruppen organisiert haben zum Reden, Lästern, Flirten und Kontakt halten ist das mit Lehren kaum möglich. Standartprogramme dürfen nämlich aus „Datenschutzgründen“ nicht benutzt werden. Kostenpflichtige Angebote scheiden natürlich auch aus, denn wer soll das bezahlen. Stattdessen gibt es von der Regierung selbstgestrickte Lösungen, aber leider bricht der „virtuelle Klassenraum“ schon bei 5 Schülern zusammen. Kennt irgendjemand eine einzige Softwarelösung an denen eine deutsche Regierung beteiligt war die funktioniert? Außer Elster natürlich, bei Steuern funktioniert hier immer alles, außer dass man ohne Bachelor nicht einmal 10% der geltenden Regeln kennt.
Ok, also kein online Unterricht. Macht ja nichts, man kann ja per E-Mail in Kontakt bleiben. Es sei denn der Lehrer weigert sich seine E-Mail bekannt zu geben. Datenschutz natürlich oder Angst davor ab und zu arbeiten müssen. Oder das sich Corona als Anhang verbreitet, was weiß ich. Zum Glück war das die Ausnahme die meisten Lehrer waren zumindest so erreichbar. Nur sollte man aufpassen was man fragt. Da gab es eine Mathe Lehrerin, die es als Majestätsbeleidigung auffasste das ich nicht wusste was „halbschriftliche Division“ ist. Da die Kinder das, in den letzten Schultagen, auch nicht verstanden hatten war ihr klar, deshalb hatte sie ein Erklärungsvideo angekündigt. Leider scheiterte sie an diesem hoch komplexen Projekt! Na ja, meine Tochter konnte so etwas schon mit vier, man sollte einfach nicht Zuviel erwarten. Was Sie allerdings nicht daran hinderte jede Menge Aufgaben zu diesem Thema zu stellen.
Ok dachte ich mir, ich hatte in der Grundschule „Mengenlehre“ statt „halbschriftlicher Division“ vielleicht bekomme ich ja eine Erklärung von ihr und schrieb ihr eine E-Mail. Immerhin hatte ihr vor ein paar Monaten auch nicht gepasst, dass ich meinem Kind multiplizieren so beigebracht hatte, wie ich es gelernt habe. Statt einer Musterlösung erhielt ich eine beleidigende Mail, in der sie mich und mein Kind für Idioten erklärte und statt einer Erklärung wo der Unterschied zu der sogar mir bekannten schriftlichen Division liegt bekam ich Aufgaben für die Sonderschule. „Alle anderen verstehen es ja.“ War dafür das Totschlagsargument. Ich habe dann sofort eine kleine, nicht repräsentative Umfrage gestartet. 2 von 5 Antworten waren „Hä? Noch nie gehört.“ 1 x „Ich habe schon lange Aufgegeben kapieren zu wollen was da an Aufgaben kommt.“ 1 x „Meine E-Mail funktioniert nicht“ und 1 x „meine Eltern können kein Deutsch“.
Alles klar, Frau Mathelehrerin. Mein Wirtschaftswissenschaft – Studium qualifiziert mich in der Grundschule zum Sonderschüler und alle anderen verstehen das alles auf Anhieb.
Es ist eigentlich müßig noch zu erwähnen, dass mich nahezu alle befreundeten Eltern merkwürdig ansehen, wenn ich davon berichte, dass ich jeden Tag 3 Stunden Hausaufgaben Betreuung leiste. Oder dass Materialien, sogenannte „Lernpakete“, zur besten Arbeitszeit abgeholt werden müssen. Dafür aber nahezu alle Zugänge zur Schule gesperrt sind und alle die die Materialien holen wollen sich durch einen nur 80cm breiten Weg quetschen müssen. Ist ja kein Lehrer da, die halten wenigstens Abstand.
Mein Fazit ist ganz klar. Informationstechnische Defizite sind in unseren Schulen Standard. Förderung einzelner Schüler findet vielerorts nicht statt. Aber Arroganz im Namen der Schulpflicht ist weit verbreitet.

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