{"id":113,"date":"2014-10-16T13:20:00","date_gmt":"2014-10-16T13:20:00","guid":{"rendered":"http:\/\/epub-verlag.de\/wordpress\/?p=113"},"modified":"2021-11-17T13:22:01","modified_gmt":"2021-11-17T13:22:01","slug":"ebola-oder-die-fehler-im-system","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/epub-verlag.de\/wordpress\/politik\/ebola-oder-die-fehler-im-system\/","title":{"rendered":"Ebola oder die Fehler im System"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Wie definiert man einen Staat? Nachschlagen bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Staat\">Wikipedia<\/a> macht einen da nicht schlauer. Aber das h\u00e4ufigste Wort in diesem Definitionsmischmasch ist Organisiert. Egal wie man ihn definiert, der Staat wird an seinen Funktionen, seiner Organisation&nbsp; gemessen. Gute Staaten haben eine funktionierende Infrastruktur, ein gut ausgebautes Verkehrswegenetz, Bildungsinstitutionen, Rechtssystem und nicht zuletzt ein Gesundheitssystem. Definiert man Staaten \u00fcber die Funktionsf\u00e4higkeit und Leistungsf\u00e4higkeit dieser Kernaufgaben, kommt man schnell zu dem Schluss, dass viele sogenannte \u201eStaaten\u201c eigentlich keine sind. Das mag normalerweise nicht weiter auffallen, aber sp\u00e4testens in einer Krise wie dem aktuellen Ausbruch von Ebola wird klar, dass die meisten afrikanischen \u201eStaaten\u201c keinerlei Infrastruktur besitzen um ihre B\u00fcrger vor derartigen &nbsp;Bedrohungen zu sch\u00fctzen. Was Solls, denkt sich der Deutsche, bei uns ist doch alles besser. In Afrika wird doch immer gestorben, sei es durch Krieg, Hunger oder Krankheiten. Das mag so stimmen, aber sp\u00e4testens seit den Infektionen in <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/gesundheit\/erkrankte-pfleger-in-spanien-und-texas-schlechte-schulung-als-ursache-fuer-ebola-ansteckung-13204369.html\">Spanien<\/a> und Amerika wird klar, dass der Afrikanische Virus schon l\u00e4ngst den Westen erreicht hat. Ich meine damit nicht Ebola, sondern den Zerfall der Infrastruktur, hier gut zu beobachten am Beispiel des Gesundheitswesens. Die Frankfurter Allgemeine zitiert im oben verlinkten Artikel den Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, Ren\u00e9 Gottschalk: \u201eEs besteht eine Gefahr, wenn Leute mit Schutzkleidung umgehen, die nicht entsprechend geschult sind\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist also kein Wunder, das ausgerechnet im Bankrotten Spanien und im heutigen Amerika derartige Ansteckungsf\u00e4lle auftreten. Genau wie in Afrika ist das Gesundheitssystem dieser L\u00e4nder chronisch finanziell unterversorgt und hat zu wenig und schlecht qualifiziertes Personal. Ignorante und nur auf ihr Budget bedachte Vorgesetzte reagieren nicht, oder zu sp\u00e4t, eine Aufsicht findet nicht statt und niemand f\u00fchlt sich wirklich verantwortlich. Dieser Prozess ist auch bei uns zu beobachten. In dem die Betriebswirtschaftslehre im Gesundheitswesen immer wichtiger wird, geht die medizinische Kompetenz im gleichen Ma\u00df zur\u00fcck. Patienten werden hin und her geschoben, ihre Bed\u00fcrfnisse versickern in der ausufernden B\u00fcrokratie und die Versorgung wird trotz immer neuer Medizintechnik immer schlechter. Das System verrottet von innen, wird Tag um Tag unmenschlicher. Wohin es f\u00fchrt, wenn Geld und nicht mehr das Funktionieren des Gemeinwohls in den Mittelpunkt eines Systems stellt ist gut in Afrika zu beobachten. Die B\u00fcrger sind sehr schlecht ausgebildet und mit den simpelsten Anforderungen an die Hygiene oft schon \u00fcberfordert. Etwas so komplexes wie ein Virus zu begreifen ist den meisten der Armen gar nicht m\u00f6glich. Das f\u00fchrt zu Ger\u00fcchten, Legendenbildung, Wunderheilern, die alles noch einmal verschlimmern und zu Ausgrenzung und Gewalt gegen Betroffene. Entlegene Seuchengebiete sind oft kaum zu erreichen, weil die Verkehrsinfrastruktur fehlt, es fehlt an Krankenwagen, Leichenwagen und vor allem an Organisation um dem Virus wirklich etwas entgegen zu stellen. Das merken jetzt auch die Reichen, die bisher lieber in die eigene Tasche gewirtschaftet haben, als mitzuhelfen ein Gemeinwesen aufzubauen. Aber auf einmal ist selbst f\u00fcr sie eine Flucht schwierig, die Flugh\u00e4fen sind verweist und die Grenzen geschlossen. Leider ist letzteres kaum wirksam. Denn eine echte Quarant\u00e4ne f\u00fcr ein ganzes Land w\u00fcrde Organisation, gut ausgebildete Ordnungskr\u00e4fte und Infrastruktur wie Stra\u00dfen voraussetzten. All das ist in den Nachbarl\u00e4ndern des Krisengebiets genauso wenig vorhanden. Ebola wird also selbst bei massiven eingreifen der WHO kaum zu stoppen sein. Damit steigt die Gefahr, dass es auch in L\u00e4ndern wie Amerika oder Spanien Fu\u00df fassen kann. Jahrzehntelange Vernachl\u00e4ssigung und Unterfinanzierung der wichtigsten Staatsaufgaben haben das Feld bereitet. Doch ein Virus wie Ebola l\u00e4sst sich nicht einfach unter den Tisch kehren wie die Finanzkriese. Er wird schonungslos die Fehler in allen Systemen ausnutzen und sich ausbreiten. Eigentlich bleibt nur zu hoffen, dass dieser Ausbruch durch Mutation des Virus von allein gestoppt wird. Andernfalls rate ich dem geneigten Leser zu der Lekt\u00fcre von Albert Camus \u201e<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Pest\">Der Pest<\/a>\u201c als Anschauungsmaterial was uns bevorsteht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie definiert man einen Staat? Nachschlagen bei Wikipedia macht einen da nicht schlauer. Aber das h\u00e4ufigste Wort in diesem Definitionsmischmasch ist Organisiert. 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