{"id":138,"date":"2016-01-24T14:16:00","date_gmt":"2016-01-24T14:16:00","guid":{"rendered":"http:\/\/epub-verlag.de\/wordpress\/?p=138"},"modified":"2021-11-17T14:17:21","modified_gmt":"2021-11-17T14:17:21","slug":"recht-und-konsens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/epub-verlag.de\/wordpress\/geld-abschaffen\/recht-und-konsens\/","title":{"rendered":"Recht und Konsens"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Woche musste ich mich wundern. Kaum hatte ich sonntags \u00fcber das \u201eStaatsversagen\u201c gebloggt, kamen die Medien in den darauffolgenden Tagen zu dem gleichen Schluss. Liest da jemand meinen kleinen Blog? Oder ist es mittlerweile so offensichtlich, dass wir ein neues \u201eGrundgesetz\u201c haben, das nur ein Gebot kennt: \u201eBereichert euch!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich mag es nicht \u00fcber Vergangenes zu schreiben, Nostalgie hat vor allem immer etwas mit Identit\u00e4tsverlust zu tun. Doch damit habe ich nichts am Hut. Dennoch werde ich heute diese Regel einmal brechen. Denn es ist absolut erstaunlich, dass die Ereignisse der Silvesternacht immer noch die&nbsp; Schlagzeilen dominieren. Eine so lange Halbwertszeit hatten nicht einmal die letzten Attentate religi\u00f6ser Spinner. Warum ist das so? Was hat dieser Aufschrei zu Tage gef\u00f6rdert was vorher nicht so offensichtlich war?<\/p>\n\n\n\n<p>Da hilft ein R\u00fcckblick in die Vergangenheit. In meiner Jugend gab es einen Konsens und das Recht. Alle wussten irgendwie was richtig war, Recht war dagegen etwas was durchaus durch den Konsens au\u00dfer Kraft gesetzt werden konnte. Niemals w\u00e4re der Dorfpolizist auf die Idee gekommen am Tage des Vereinsfests eine Alkoholkontrolle durchzuf\u00fchren. Es war ja sowieso klar, dass alle die vom Parkplatz vor dem Bierzelt losfuhren die Promillegrenze locker gerissen h\u00e4tten. Da wurde ich als Jugendlicher schon mal an Fasching mit 8 stark alkoholisierten Personen im Kleinwagen angehalten, und mit einem Grinsen weitergeschickt nachdem wir glaubw\u00fcrdig versichert hatten, nur noch 3 Kilometer bis zum Kehraus zu fahren. Das war gesellschaftlicher Konsens. Alle wussten was richtig war und so konnten schon mal 5 Grade sein. Auch wenn dieselben Polizisten dann mit Schlagst\u00f6cken auf der anderen Seite der Anti AKW Demo standen und nicht mehr grinsten. Auch wenn damals vieles andere im Argen lag, im Grunde wussten alle B\u00fcrger was erlaubt war und wo die flie\u00dfende Grenze anfing an der man riskierte bestraft zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist das v\u00f6llig anders. Seit den Siebzigern hat sich die Anzahl der Gesetzte gef\u00fchlt verdreifacht. Es ist schon fast unm\u00f6glich einen ganzen Tag lang nicht gegen irgendwelche Bestimmungen zu versto\u00dfen. Unangeschnallt zum S-Bahn Parkplatz fahren, schnell auf dem Bahnsteig noch eine Rauchen, dabei einer Frau nachpfeifen und einen farbigen Mitb\u00fcrger als Neger bezeichnen und schon sind 500\u20ac Bu\u00dfgeld zusammen, die vor 35 Jahren bestenfalls Gel\u00e4chter ausgel\u00f6st h\u00e4tten. Hysterische Gender und Anti Diskriminierung Sprachregelungen, G\u00e4ngel- Gesetzte die tief in den Tagesablauf der B\u00fcrger eingreifen und immer neue Vorschriften, sei es im Stra\u00dfenverkehr oder am Bau, an der Arbeitsstelle oder beim entrichten Staatlicher Abgaben machen es schwierig bis unm\u00f6glich sich wirkliche Gesetztes konform zu verhalten. Sehen Sie sich um, jeden Morgen telefoniert jemand neben Ihnen an der Ampel mit seinem Handy, in der U-Bahn wird das Alkoholverbot ignoriert und zu schnell gefahren wird trotz totaler Radar\u00fcberwachung auch immer noch. Die L\u00fccke zwischen Recht und Konsens w\u00e4chst seit Jahren, mit dramatischen Folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn diese Entwicklung h\u00f6hlt die Gesellschaft von zwei Seiten gleichzeitig aus. Einerseits verlieren die B\u00fcrger jeden Respekt vor der Gesellschaftsordnung. Sie \u201emachen einfach nicht mehr mit\u201c, ein Staat mit lauter sinnlosen Vorschriften ist Ihnen komplett egal. Andererseits verlieren die, die f\u00fcr die Durchsetzung dieser Vorschriften sorgen solle jede Motivation. Wer st\u00e4ndig auf Unverst\u00e4ndnis, \u00c4rger und Aggression trifft, der grinst nicht mehr bei kleinen harmlosen \u00dcbertretungen. Die Polizei, dein Freund und Helfer das war einmal.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist der N\u00e4hrboden, auf dem die Ereignisse der Silvesternacht \u00fcberhaupt erst gedeihen konnten. Ein Polizist in den Siebzigern h\u00e4tte sofort alle Kr\u00e4fte mobilisieren lassen und etwas was au\u00dferhalb des Rechtes und des Konsens passierte sofort zu stoppen. Doch die Einsatzkr\u00e4fte vor Ort waren sich da nicht sicher. Sie wollten nicht als \u201erechts\u201c abgestempelt werden, hatten keine ausreichende Motivation um, vielleicht auch in Unterzahl, zu versuchen den Mob zu stoppen und haben vielleicht nicht einmal den Unterschied erkannt. Ihnen war die Gewichtung sexueller \u00dcbergriffe und gewaltt\u00e4tigen Raubtaten nicht klar, war das etwas anderes als ein \u201eBlitzer Marathon\u201c oder dem Verfolgen von Handytelefonieren am Steuer?<\/p>\n\n\n\n<p>Ja Verdammt! Will man Ihnen zurufen, aber die Organe einer Gesellschaft sind immer nur deren sichtbaren Teile. Daher ist es gut, dass sich die Ereignisse vom 31.12. so lange in den Nachrichten halten. Denn es wird immer mehr Menschen hierzulande klar, dass in unserem Staat etwas faul ist. Der Fisch stinkt vom Kopf, h\u00f6chste Zeit diesen wieder zum Denken zu benutzen. Deshalb sollte man sofort jeden, der sch\u00e4rfere Gesetzte fordert, abstrafen. Vielmehr sollte mit dem un\u00fcberschaubaren Verordnungsdickicht endlich aufger\u00e4umt werden und die wichtigen Gesetzte, \u00fcber die dann vielleicht endlich wieder Konsens beststeht, auch durchgesetzt werden. Sonst ergeht es unserer Gesellschaft wie allen die Ihren H\u00f6hepunkt \u00fcberschritten haben, der Zerfall setzt ein und die Reste eines todkranken Staates fallen an innere oder \u00e4u\u00dfere Raubtiere. Das m\u00f6chte ich allerdings nicht erleben!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Woche musste ich mich wundern. 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