{"id":85,"date":"2021-05-17T12:33:00","date_gmt":"2021-05-17T12:33:00","guid":{"rendered":"http:\/\/epub-verlag.de\/wordpress\/?p=85"},"modified":"2021-11-17T12:34:17","modified_gmt":"2021-11-17T12:34:17","slug":"das-rechte-mass-die-bratwurst-oder-die-eier-des-regenpfeifers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/epub-verlag.de\/wordpress\/in-eigener-sache\/das-rechte-mass-die-bratwurst-oder-die-eier-des-regenpfeifers\/","title":{"rendered":"Das rechte Ma\u00df, die Bratwurst oder die Eier des Regenpfeifers*"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Das erste Grillen des Jahres. Was schmeckt die Bratwurst gut!&nbsp; Warum eigentlich ? Es hat wohl etwas damit zu tun, das es sieben Monate her ist, dass ich das letzte Mal eine Bratwurst vom Grill hatte. Darin liegt eine viel tiefere Bedeutung als uns heutzutage klar ist. Die Verf\u00fcgbarkeit von allem und jederzeit ist das Ende des Genusses. Denn nur, wenn etwas selten ist, dann kann man es als etwas Besonderes sch\u00e4tzen. Das klingt einfach uns simplifizierend, ist aber viel weitergehend als es uns im ersten Moment klar ist. Dabei kennen wir das. Niemand wundert sich wenn der \u201eStar\u201c Drogen nimmt, oder es mal wieder nichts aus dem Vorsatz wurde weniger zu rauchen oder zu trinken. Unsere Reizschwelle sinkt, wenn wir etwas h\u00e4ufig konsumieren. Bei Drogen wie auch bei allem anderen. Daher ist die Zigarette danach wunderbar, die anderen zwanzig am Tag jedoch nicht einmal ann\u00e4hernd so befriedigend. Das Zuviel ist ein Problem schlechthin. Wir sind st\u00e4ndig auf der Suche nach dem intensiven Erlebnis das wir empfanden als wir etwas zu ersten Mal ausprobiert haben. Doch egal wie sehr wir die Dosis steigern, nichts kommt diesem Gef\u00fchl auch nur ann\u00e4hernd nahe. Das einzige was dagegen hilft ist lustiger weise Verzicht. Wenn wir lange auf etwas verzichten m\u00fcssen, dann ist das Gef\u00fchl wieder fast so intensiv wie beim ersten Mal.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer hat sie noch nicht geh\u00e4rt die Geschichten unserer Gro\u00dfeltern, der Kriegsgeneration, die in den Zeiten der Entbehrung sich \u00fcber etwas unheimlich Gefreut haben, was uns heute v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich erscheint. Einmal so viel Brot essen wie sie wollten, das St\u00fcckchen Fett in der Suppe zu bekommen. Das einsame Bonbon an Weihnachten, das St\u00fcck Schokolade zum Geburtstag. Wir winken heute gerne ab, wenn wir mit solchen Geschichten konfrontiert werden. Einen Abe Simson, der Geschichten aus anderen Zeiten erz\u00e4hlt und dem niemand zuh\u00f6rt, kennt jeder. Jedoch vertun wir mit dieser Ignoranz &nbsp;eine Change auf ein besseres und gl\u00fccklicheres Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Die Werbung dr\u00f6hnt allenthalben in unseren Ohren und will und Glauben machen, das wir nur dann Gl\u00fccklich sind, wenn wir unsere Konsumw\u00fcnsche augenblicklich erf\u00fcllen. Am besten noch auf Pump und ohne dar\u00fcber nachzudenken, ob wir das Beworbene brauchen oder uns auch nur leisten k\u00f6nnen. Dann kommt der Kick, das kurze Hochgef\u00fchl, wie nach dem Zug an der Crack Pfeife und dann sind wir wieder genau so ungl\u00fccklich wie vorher. Schon die Kleinsten sind ein perfektes Beispiel daf\u00fcr, dass Konsum als Gl\u00fcckseligkeit nicht funktioniert. Da wurde wochenlang gebettelt und geweint, f\u00fcr das Spielzeug das sie einzig und alleine selig macht. Und drei Tage nach Weihnachten liegt es unbeachtet in der Ecke, bei allen anderen Spielzeugen die das genauso wenig vermochten.<\/p>\n\n\n\n<p>Umso erstaunlicher ist es, dass wir als Erwachsene diesen Kreislauf immer noch nicht durchschauen. Wir glauben immer noch, dass uns das neue Kleid oder das neue Auto gl\u00fccklich macht. Als ob wir es nicht seit der Puppe oder dem Spielzeugauto besser w\u00fcssten. Am schlimmsten erscheint mir als Hobbykoch das bei Lebensmitteln. Die wenigen die noch einer Saison folgen wie Spargel oder Melonen haben einen schon fast einsamen Platz erobert. Erdbeeren gibt es ja f\u00fcr den, der es sich leisten kann, schon fast das ganze Jahr aus s\u00fcdlichen Gefilden. Dabei ist grade diese st\u00e4ndige Verf\u00fcgbarkeit ein gro\u00dfer Verlust. Das Besondere der ersten Grillwurst, des ersten Spargels und der ersten Erdbeeren ist durch nicht zu ersetzten.<\/p>\n\n\n\n<p>Was uns bleibt ist unsere Natur zu kennen und zu beachten. Eine kluge Askese \u00fcbt keinen Verzicht, sondern sichert den Genuss. Es ist genauso wenig hilfreich ganz auf etwas zu verzichten, das uns Freude bereitet. Aber st\u00e4ndige \u00dcbers\u00e4ttigung ist noch schlimmer. Auch das sollte uns allen klar sein, zu viel Zigaretten, Alkohol, Sex oder Grillw\u00fcrste, haben alle unliebsame Nebenwirkungen. In der richtigen Dosis sind sie ein Genuss. Und der Effekt, dass wir uns nach einem kurzen Kick leer und freudlos f\u00fchlen bleibt ebenfalls aus.&nbsp; Dazu hat eingeschr\u00e4nkter Konsum noch andere w\u00fcnschenswerte Nebenwirkungen. Er kostet weniger Geld und macht uns damit weniger Abh\u00e4ngig von der Maschinerie der \u201eHuman Ressourcen\u201c wie die Ausbeutung von Lohnsklaven heute gerne genannt wird. Dann k\u00f6nnen wir endlich einen Job machen der uns befriedigt und nicht die Konsumindustrie.<\/p>\n\n\n\n<p>*Der Titel spielt auf ein Kapitel im \u201eBuch der L\u00fcgen\u201c von Aleister Crowley an, das ich derzeit neu \u00dcbersetzte. Erh\u00e4ltlich in wenigen Monaten hier im RB Verlag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das erste Grillen des Jahres. Was schmeckt die Bratwurst gut!&nbsp; Warum eigentlich ? 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